Zweite Halbzeit bei Landleben auf Probe 2026: Sechs Wochen Nordhalben und was bleibt
Mitmachen. Mitdenken. Abschied nehmen.
WORK.LAND.LIFE. 4.0 in Nordhalben: ein Fazit.

In der ersten Hälfte wurde aus Ankommen ein Mitmachen. In der zweiten Hälfte zeigt sich, was davon bleibt. Die Gruppe der diesjährigen Staffel hat sich auf Nordhalben eingelassen. Beim Feiern, beim Anpacken, beim Weiterdenken.
Für ein paar Wochen waren sie mehr als Gäste. Sie haben mitgelebt, mitgeredet und mit angepackt. Dabei haben sie einen Ort erlebt, der sich nicht verstellt. Kein perfektes Postkartenidyll, sondern ein echtes Dorf mit echten Menschen. Und genau das ist der Punkt.
Nicht alles lässt sich planen
WORK.LAND.LIFE. ist ein Experiment und zu einem Experiment gehört, dass nicht alles nach Plan läuft. Das zeigt sich auch in der zweiten Hälfte, denn Paul, der als Erster in Nordhalben angekommen war, muss aus familiären Gründen zurück nach Frankreich. Das Leben hat Vorrang, und manchmal kommt es eben anders, als man es sich gewünscht hat. Florian, Sabina und Mark bleiben. Gemeinsam bringen die Drei die zweite Hälfte zu Ende.
Und das ist typisch für dieses Projekt. Jede Staffel entwickelt sich anders. Es gibt kein festes Drehbuch und keine Garantie, wie sich sechs Wochen anfühlen. Es gibt nur Menschen, einen Ort und die Zeit dazwischen.
Jeder, der bei WORK.LAND.LIFE. mitmacht, kommt aus einem anderen Grund. Die einen wollen einfach herausfinden, wie sich das Landleben anfühlt. Als Auszeit, als Test oder als Tapetenwechsel. Andere sind schon einen Schritt weiter und können sich gut vorstellen, wirklich aufs Land zu ziehen. Für sie sind diese Wochen fast wie eine Generalprobe. Und wieder andere sind vor allem neugierig, was so ein Ort mit einem macht.
So erlebt am Ende jeder diese Wochen anders: Den Ort, die Zeit, die eigenen Gedanken. Was für den einen wohltuende Ruhe ist, ist für die andere vielleicht ungewohnte Stille. Was der eine als Freiheit spürt, wirft bei der anderen neue Fragen auf. Genau das macht das Projekt aus. Es gibt nicht die eine Erfahrung, sondern viele unterschiedliche, ehrliche Erfahrungen.
Ein Sommer mitten im Dorf
Wer wissen will, wie sich Leben im Frankenwald anfühlt, muss ihn einfach mitleben. Genau das passiert in diesen Wochen. Nordhalben zeigt sich von seiner sommerlichen Seite, und die Drei sind mittendrin.
Los geht es mit Rock am Kreisel am 5. und 6. Juni auf dem Sportplatz. Musik, Menschen, laue Sommerabende. Ein Dorf, das feiert, und Gäste, die längst dazugehören. Kurz darauf wird derselbe Sportplatz zur WM-Arena. Bei den ersten Spielen der Weltmeisterschaft sitzen Probebewohner und Nordhalbener gemeinsam vor der Großleinwand. Beim Auftakt Deutschland gegen Curaçao am 14. Juni wird kräftig mitgefiebert. Fußball verbindet, und im Dorf ganz besonders.
Zwischen all dem Feiern wird auch angepackt. Bei der Freiwilligenaktion Lupinenstechen geht es raus in die Natur. Naturschutz zum Mitmachen, mittendrin statt nur dabei. Es ist Arbeit, natürlich. Aber es ist auch eine dieser Gelegenheiten, bei denen man Land und Leute wirklich kennenlernt. Nicht vom Schreibtisch aus, sondern draußen in der Natur.
So vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendetwas los ist. Mal ein Termin, mal ein spontanes Gespräch, mal einfach ein Feierabend, der länger wird als geplant. Genau das ist gemeint, wenn wir vom Landleben auf Probe sprechen. Es ist kein Programm, das man abarbeitet. Es ist ein Alltag, in den man hineinwächst.
Dazu kommt der Frankenwald selbst. Morgens liegt manchmal Nebel über den Dächern, tagsüber steht die Sonne über den Hügeln, abends zieht sich die Dämmerung lang. Wer hier arbeitet, hat den Wald nicht als Bildschirmhintergrund, sondern direkt vor der Tür. Ein paar Schritte, und man ist mittendrin. Genau diese Nähe verändert, wie sich ein ganz normaler Arbeitstag anfühlt.
Als es richtig heiß wird, ist die Abkühlung nicht weit. Es geht öfter ins Naturerlebnisbad Nordhalben. Klares Wasser, Wiese ringsum, Wald im Rücken und ein Sprung, der den Kopf freimacht. In der ersten Hälfte hat die Gruppe beim Ehrenamtstag noch mitgeholfen, das Bad für die Saison fit zu machen. Jetzt genießt sie selbst, wofür damals angepackt wurde.
Was macht das mit einem? Wie fühlt sich ein Dorf an, das einen einfach mitnimmt? Die Antwort erleben die Drei Tag für Tag. Zwischen Festzelt, neuen Bekanntschaften, Natur und ganz normalem Nordhalbener Alltag.
Ideen, die Form annehmen
Landleben auf Probe ist mehr als Remote-Arbeit. Es geht auch um ein gemeinsames Projekt für Nordhalben. Die Frage ist: Was kann nach den sechs Wochen bleiben? Darüber wird in mehreren Runden diskutiert. Immer wieder treffen wir uns im Nordwald Space zu Kreativsessions.
Am 7. Juni kommt Ruth dazu. Sie war schon in Staffel 3 dabei und kennt das Projekt von innen. Ruth ist sofort wieder mittendrin. Gemeinsam mit Frischer Wind Nordhalben e. V. entsteht eine Session rund um Maxhaus, Kunst und Nordhalben. Erfahrung trifft frischen Blick, und aus Gesprächen werden Ideen.
Zwischen den Sessions läuft der ganz normale Arbeitsalltag weiter. Videocalls, Laptop, Deadlines. Nur eben nicht in der Großstadt, sondern im Nordwald Space, auf der Dachterrasse oder mit Blick ins Grüne. Landleben auf Probe heißt nicht Urlaub. Es heißt, den eigenen Job an einen neuen Ort mitzunehmen und zu schauen, ob er dort vielleicht sogar leichter von der Hand geht.
In den Wochen darauf wird weitergedacht und gefeilt. Was ist schon da? Was lässt sich weiterentwickeln? Und was davon trägt wirklich? Fragen wie diese begleiten die Runde, und selten gibt es sofort eine fertige Antwort.
Nicht jede Idee muss gleich fertig sein. Aber genau der gemeinsame Prozess ist das Wertvolle daran. Er bringt den Blick von außen und das Wissen der Menschen vor Ort zusammen. Die Probebewohner sehen Dinge, die im Alltag längst selbstverständlich geworden sind. Und die Menschen vor Ort wissen, was wirklich im Dorf los ist und was zum Ort passt. Aus dieser Mischung entsteht etwas, das keiner allein schafft. Dass Nordhalben und WORK.LAND.LIFE. Menschen verbinden, zeigt sich immer wieder. So war Antje aus Nürnberg, Teilnehmerin der allerersten Staffel, übers Wochenende zu Besuch und gleich mittendrin.
Open Space: Woche für Woche Begegnung
Der Open Space in der Lounge des Nordwald Space wird in dieser Staffel zum festen Termin. Jeden Dienstag öffnen sich nach Feierabend die Türen für Mitglieder von Frischer Wind Nordhalben und für eingeladene Gäste. Kein formeller Rahmen, keine Tagesordnung. Einfach ein Ort, an dem man zusammenkommt.
Am 16. Juni steht die Space-Lounge dann ganz im Zeichen einer Zwischenpräsentation. Florian übernimmt das Ruder und erzählt von den Eindrücken der Gruppe, ihren Erkenntnissen und ihren Ideen für Nordhalben. Es wird ein Abend mit viel Austausch, offenen Fragen und dem einen oder anderen Aha-Moment. Man merkt, wie gut es tut, wenn Probebewohner und Einheimische auf Augenhöhe ins Gespräch kommen.
Für Frischer Wind Nordhalben e. V. ist der Open Space ein Heimspiel. Der Verein ist ohnehin im Nordwald Space zu Hause und bringt Menschen mit, die den Ort seit Jahren gestalten. So treffen bei WORK.LAND.LIFE. neue Blickwinkel aufeinander. Genau darum geht es bei dem Projekt. Nicht darum, fertige Ergebnisse zu präsentieren, sondern darum, ins Reden zu kommen. Über das, was gut läuft. Über das, was fehlt. Über das, was man gemeinsam in Nordhalben anpacken könnte. Manches davon bleibt ein loser Gedanke. Anderes wird zur Idee, die weitergetragen wird.
Die Lounge wird Woche für Woche mehr zu einem dritten Ort. Ein Treffpunkt zwischen Arbeit, Alltag und Begegnung.
Abschlussfest am 30. Juni: Nordhalben ist eingeladen
Damit das Finale kein internes Treffen bleibt, werden interessierte Nordhalbener zum Abschlussfest eingeladen. Im Ort hängen immer mehr Plakate und die Vorbereitungen auf das Fest laufen wie geplant. Jeder hat seine Aufgabe, die Vorfreude auf einen schönen letzten Abend wächst.
Am Dienstag, dem 30. Juni 2026, um 18:30 Uhr ist es dann so weit und wir feiern im Nordwald Space die Abschlussveranstaltung von WORK.LAND.LIFE. 4.0. Im Mittelpunkt steht die letzte Präsentation der Gruppe. Sechs Wochen Nordhalben, gebündelt in Eindrücken, Erkenntnissen und einem gemeinsamen Ergebnis. Dazu gute Gespräche und ein Wiedersehen mit vielen, die das Projekt begleitet haben.
Mit dabei ist auch Verena, Teilnehmerin der dritten Staffel. Sie zeigt, wohin das Experiment führen kann. Nach ihrer Staffel ist sie mit ihrem Mann von Berlin in unsere Region gezogen. Seither schaut sie immer wieder im Space vorbei. Aus ein paar Wochen auf Probe ist bei ihr ein echtes Zuhause geworden.
Das Fest ist Abschluss und Dankeschön zugleich. Ein Rückblick auf das, was war, und ein leiser Ausblick auf das, was kommen kann. Man sitzt zusammen, lässt die Zeit noch einmal Revue passieren und spürt, dass hier in den letzten Jahren etwas gewachsen ist. Am 1. Juli heißt es dann Koffer packen und Abschied nehmen. Am Abend zuvor wurde noch gemeinsam gefeiert, jetzt geht es für die Drei wieder nach Hause.
Was bleibt nach sechs Wochen
Zur Halbzeit gab es noch kein Fazit. Jetzt schon. Sechs Wochen sind eine kurze Zeit, und doch bleibt einiges. Aus Landleben auf Probe ist wieder mehr geworden als ein Test. Fünf Dinge nehmen wir mit.
1. Es gibt schon Interesse an einer fünften Staffel. Aus dem Projekt heraus haben sich Menschen gemeldet, die bei WLL 5.0 dabei sein möchten. Die Idee trägt also über 4.0 hinaus. Das ist vielleicht das schönste Zeichen dafür, dass sie wirklich funktioniert.
2. Es sind neue Bilder und Geschichten für die Region entstanden. Fotos, Erzählungen und Ansätze für Kampagnen, die Nordhalben und den Frankenwald so zeigen, wie sie sind. Authentisch, lebendig und mit Menschen, die man gerne kennenlernt. Material, das dem Ort noch lange nützt. Ein riesiges Dankeschön an Florian für die 1.000 Bilder ♥ @flowirt / instagram
3. Die Erfahrungen wirken weiter. Die Vorbereitende Untersuchung wurde zum Projektthema. Beim Open Day zeigte eine Umfrage*: Kaum jemand kennt die VU, das Thema dahinter interessiert aber durchaus. Für sechs Wochen war sie zu komplex. Geblieben ist ein Anstoß an die Gemeinde, stärker aufzuklären.
4. Die Lounge bleibt offen. Auch bei künftigen WLL-Staffeln öffnet sie wieder ihre Türen. Ein fester Ort zum Weitermachen, zum Austauschen und zum Anknüpfen. So geht die Geschichte auch nach dem Abschluss weiter, für alle, die dabei bleiben und den Faden nicht verlieren wollen.
5. Das Projekt wurde gesehen. Über die regionalen Grenzen hinweg wurde in der Presse über das Projekt berichtet. Entstanden sind Berichte vor, während und nach der Staffel. Nordhalben hat gezeigt, dass sich im ländlichen Raum etwas bewegt. Sichtbarkeit, von der am Ende nicht nur das Projekt, sondern die ganze Region profitiert.
Fünf Punkte, die zeigen: Es war nicht nur eine schöne Zeit, es ist auch etwas geblieben. Kein fertiges Ergebnis, das man in eine Schublade legt, sondern Spuren, die weiterwirken. Im Ort, in den Köpfen und in den Plänen für morgen.
Das Experiment wirkt.
* Umfrage Ergebnisse: Vorbereitende Untersuchung (VU)
Mehr zur VU und PDF Download auf nordhalben.de
Vorbereitende Untersuchung Städtebauliche Sanierungsmaßnahme „Ortskern Nordhalben“ / 04.12.2020: Zusammen planen, zusammen den Ortskern in eine Wohlfühlzone mit viel Grün- und Freiflächen umbauen für ein attraktives Wohnen & Leben in Nordhalben“ soll das Ziel der Ortsentwicklung sein.
Die nächste Runde: Ausblick auf WLL 5.0
Nordhalben & Space. 1.0, 2.0, 3.0, 4.0 … und jetzt?
Die Geschichte kann weitergehen. WLL 5.0 ist bereits geplant. Vom 15. Mai bis 1. Juli 2027 geht Landleben auf Probe in Nordhalben in die nächste Runde. Bewerbungen sind bis zum 31. März 2027 möglich.
WORK.LAND.LIFE. soll das bleiben, was es ist. Ein ehrliches Experiment über Leben und Arbeiten im ländlichen Raum. Eines, das jedes Jahr neu beginnt und jedes Jahr ein Stück weiter trägt.
Danke an unsere treuen Partner
Ein Projekt wie WORK.LAND.LIFE. entsteht nicht allein. Damit Menschen für sechs Wochen nach Nordhalben kommen, hier wohnen, arbeiten, mitmachen und am Ende etwas zurücklassen können, braucht es Unterstützung, Vertrauen und Menschen, die an die Idee glauben.
Von Herzen Danke an unsere Partner, die das Projekt auch in diesem Jahr treu begleitet und möglich gemacht haben. Sparkasse Kulmbach-Kronach, UPON und advice management. ♥
Und danke an alle, die zugehört, mitgedacht, mitgeholfen und Türen geöffnet haben. Bis zur nächsten Staffel.





































Ein Projekt der Gemeinde Nordhalben